Die Idee einer eigenen Cloud bei dataforest ist nicht neu. Sie existiert seit über neun Jahren, damals noch unter dem Namen PHP-Friends. Entstanden ist sie nach einer langen Nacht, in der ein Hostsystem ausgefallen war. In diesem Moment wurde Tim Lauderbach (kurz: Timmi) und mir klar, wie wertvoll eine Cloud wäre, die Kunden von einzelner Hardware unabhängig macht. Wir hatten große Ambitionen, aber nicht die Kapazitäten. Also blieb es bei der Idee - eine, die in jedem zweiten Gespräch zwischen Timmi und mir wieder aufkam und über ein paar lose Experimente nie hinauskam.
Anders sah es dann Anfang 2025 aus, als ich mit deutlich mehr Wissen und Erfahrung zu dataforest zurückgekommen bin. Das Entwicklungsteam bestand zu diesem Zeitpunkt aus zwei Personen: Marc und mir. Dazu ein leeres Repository und eine lange Liste an Dingen, die unsere Cloud eines Tages können sollte. Als ich Marc davon erzählt habe, konnte er sich kaum vorstellen, dass wir das zu zweit in absehbarer Zeit umsetzen werden. Mir ging es genauso. Aber irgendwann muss man halt anfangen - und für den Anfang war der Fokus klar: Cloud-Server, die sich so einfach und schnell wie möglich erstellen lassen. Alles als Self-Service, kein Ticket, kein Anruf.
Früh mussten wir uns entscheiden: Versuchen wir, mit der Cloud von Tag eins an möglichst viel abzudecken, oder konzentrieren wir uns auf wenige Dinge und machen diese richtig? Im Nachhinein war der Fokus nicht nur pragmatisch, sondern ein echter Vorteil: Die Cloud wächst jetzt anhand dessen, was Kunden wirklich brauchen, statt auf Annahmen zu basieren.
Was von außen kaum sichtbar war: Bevor die erste Zeile Produktcode entstehen konnte, musste die gesamte Grundstruktur stehen. Monitoring, CI/CD, automatisiertes Testing, Security-Konzepte - dataforest hatte bislang keine Softwareprojekte dieser Größenordnung professionell selbst umgesetzt. Allein dieses Fundament nahm sehr viel Zeit in Anspruch.
Irgendwann in dieser Phase saß ich bei Timmi am Esstisch. Wir überlegten, wie unsere Cloud-Server heißen sollten. „Wir sind dataforest", sagte ich, „die können doch nicht einfach VMs oder VPS heißen." Timmi nickte. Kurze Stille. „Wie wär's denn mit Seeds?"
Das Team wächst
Essen, Oktober 2025 - Timmi, Marc, Leon und ich nach einem langen Tag an der Cloud.
Nach Marc kamen Merle und Leon dazu, und im Laufe der Monate unterstützten uns viele weitere Kolleginnen und Kollegen punktuell. Aber Cloud und Hosting sind so umfangreich, dass jedes neue Teammitglied erstmal Zeit braucht, um in der Materie anzukommen. Das hatte ich unterschätzt.
Dasselbe galt für die Gestaltung der Oberfläche. Wir haben uns früh entschieden, die UX mit Klickmeister professionell anzugehen. Finn, der bei uns zum Mastermind für die UX wurde, hatte genau die richtige Arbeitsweise für unsere Herausforderung: sehr abstrakte, technische Zusammenhänge in eine Oberfläche zu übersetzen, die sich intuitiv anfühlt.
Mit dem wachsenden Team kam auch der Drang, immer noch etwas mehr einzubauen. Je mehr Leute am Tisch sitzen, desto häufiger fällt der Satz „das könnten wir doch noch mitnehmen". Vieles davon wäre auch sinnvoll gewesen. Aber jedes Feature bringt weit mehr mit als den Code, den man dafür schreibt: Es muss getestet, gewartet und abgesichert werden, es erhöht die architektonische Komplexität, und es vergrößert die Angriffsfläche. Was man sieht, ist die Spitze des Eisbergs - was darunter liegt, begleitet einen dauerhaft. Und gerade bei einer Cloud, der Kunden ihre Infrastruktur anvertrauen, geht Stabilität vor Funktionsumfang. Also habe ich konsequent Nein gesagt, auch wenn die Argumente dafür oft gut waren. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Onboarding: Wir hatten einen durchdachten Flow für neue Kunden entwickelt, Schritt für Schritt durch die Cloud, Zahlungsart, Rechnungsanschrift, erster Seed. Konzeptionell sauber, gestalterisch schön. In der Praxis hat es dann aber nicht funktioniert, nicht zuverlässig genug, nicht gut genug. Ich habe es irgendwann komplett entfernt und durch ein einfaches Modal ersetzt. Bislang scheint jeder Kunde auch damit zurechtgekommen zu sein. Eines Tages wird das Onboarding zurückkommen, aber dann richtig.
November
Unser Release-Termin war der 28. November 2025. Features sind bis dahin von überall aus in die Cloud geflossen, auch aus der Algarve.
Frankfurt, November 2025 - bevor der Rest des Teams eintrudelt.
Für den letzten Sprint vor dem Release trafen sich dann alle für eine Woche in Frankfurt: beide Tims, Jens, Merle, Marc, Leon und ich. Alle in einem Raum, mit einem klaren Ziel.
Der Plan sah vor, dass unser Kollege Florian als einer der Ersten die Cloud im Blindtest durchgehen würde. Jemand, der nicht in der Entwicklung steckte und das Ganze mit echten Nutzeraugen bewerten konnte. „Florian kann nächste Woche testen", hieß es am Anfang der Woche. Dann wieder am Ende. Und in der Woche darauf erneut. Es wurde zum Running Gag im Team, und gleichzeitig zum ehrlichsten Indikator dafür, wo wir wirklich standen.
Denn je genauer wir gemeinsam hinschauten, desto mehr fiel auf. Ich erinnere mich zum Beispiel an das Formular, über das Kunden ihre Seeds bestellen. Man konnte dort die Anzahl auswählen, abhängig von den eigenen Account-Limits, und schon das hat nicht sauber funktioniert. Und so ist das dann: Man schaut sich eine Sache genauer an, findet die nächste, und dann noch eine. Es war nicht die eine große Baustelle, sondern viele Dinge, die bei 80% statt bei 100% waren.
Irgendwann wurde uns klar: Wir könnten zum 28. November launchen - aber nicht in der Qualität, die wir uns vorgestellt hatten. Und eine Cloud, der Kunden ihre Infrastruktur anvertrauen, halbfertig zu veröffentlichen, kam für uns nicht in Frage. Es war weniger eine schwere Entscheidung als eine Einsicht, die sich über die Woche aufgebaut hatte und irgendwann nicht mehr zu ignorieren war.
Also mussten wir nochmal ran. Den ganzen Dezember, über Weihnachten, über Silvester. Am 9. Januar 2026 ging die dataforest Cloud live. Florian konnte übrigens noch vor dem Launch endlich testen.
Seitdem
Man stellt sich einen Release-Tag immer aufregend vor. In der Nacht davor konnte ich nicht richtig schlafen, um vier Uhr morgens war ich wach, habe alles vorbereitet, jeden Schritt nochmal durchgegangen. Und dann der Moment selbst: ein Knopfdruck, nochmal testen, alles funktioniert. Nach Monaten der Vorbereitung war der eigentliche Launch fast unspektakulär.
Die gesamte Last fällt auf einmal ab, und man steht da mit dem Gedanken „so, jetzt ist es live - und nun?". Nach so langer, intensiver Arbeit an einem einzigen Thema musste ich mich erstmal neu sortieren.
Ein paar Monate später lässt sich sagen: Wir haben das hinbekommen. Die Cloud läuft und das Feedback zeigt uns, dass Kunden die Qualität schätzen.
Danke an alle, die unsere Cloud nutzen und uns so offen Feedback geben. Wir haben noch viel vor - aber wenn wir eine Sache aus dem November mitgenommen haben, dann diese: Wir wollen weniger versprechen und mehr abliefern. Deshalb wird es von uns keine öffentliche Roadmap oder konkrete Ankündigungen zu kommenden Features geben. Stattdessen wollen wir euch regelmäßig mit Erweiterungen überraschen, die fertig, getestet und durchdacht sind. Unser Changelog zeigt, was wir liefern - nicht was wir planen.


